Lukas Killinger

Bei Fraunhofer CCPE arbeitet Lukas Killinger im Research Department »Advanced Recycling«. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Entwicklung energieeffizienter Recyclingverfahren für Kunststoffabfälle, insbesondere der Depolymerisation mittels Solvolyse. Aktuell beschäftigt er sich mit der Bewertung und Optimierung von Recyclingstrategien entlang der gesamten Wertschöp-fungskette, um Industriepartner beim Übergang zu einer nachhaltigen und ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft zu unterstützen.

Lukas Killinger
© Fraunhofer ICT/Mona Rothweiler
Lukas Killinger
Solvolysereaktor für das chemische Recycling von PET, PLA oder PUR
© Fraunhofer CCPE/Mike Henning
Solvolysereaktor für das chemische Recycling von PET, PLA oder PUR

Womit beschäftigen Sie sich im Fraunhofer CCPE? Welche kreativen Ideen verfolgen Sie derzeit in Ihrem Forschungsbereich?

In meiner Forschung beschäftige ich mich mit der Depolymerisation von Kunststoffabfällen mittels Solvolyse. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass auch gemischte, verunreinigte Abfälle hochwertig recycelt werden können. Als Produkt entstehen die Grundbausteine (Monomere) des jeweiligen Kunststoffs, welche sich gut reinigen und anschließend zu neuwertigen Kunststoffen mit hochwertigen Eigenschaften verarbeiten lassen. Ein Hemmnis für die industrielle Anwendung dieser Recyclingstrategie ist oftmals der hohe Energiebedarf. In meiner Forschung fokussiere ich mich daher darauf, die Prozesse energieeffizienter zu gestalten.

Haben Sie ein konkretes Projektbeispiel bzw. warum ist das interessant für die Industrie/Gesellschaft?

Wir Menschen produzieren eine ganze Reihe von hochkomplexen gemischten Abfallströmen, beispielsweise Elektronikschrott, Textilabfälle oder Automobilschrott. Diese Abfälle werden nach dem Stand der Technik überwiegend thermisch verwertet. Für eine bessere Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind hochwertigere Verwertungsmethoden von Interesse. In unseren Projekten betrachten wir gezielt diese Abfallfraktionen, um eine verbesserte Wertschöpfung zu erreichen.

Was ist Ihr bisheriges Highlight bei Fraunhofer CCPE?

Ein Projekt aus dem Jahr 2024, bei dem wir die komplette Wertschöpfungskette für eine Abfallfraktion aus dem gelben Sack demonstrieren konnten. Mittels Depolymerisation wurde PET aus dieser Abfallfraktion gezielt zum Monomer zersetzt. Dieses konnte aufgereinigt, zu neuwertigem PET polymerisiert und schlussendlich zu Fasern verarbeitet werden. Dabei haben verschiedene CCPE-Institute miteinander kooperiert und konnten gemeinsam den Kreislauf für diese Abfallfraktion schließen.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Unternehmen beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft im Bereich Kunststoffe (Und wie kann Fraunhofer CCPE Unternehmen dabei unterstützen)?

Viele Unternehmen stehen in einem Zwiespalt zwischen Verfügbarkeit und Kosten von Recyclingverfahren auf der einen Seite und gesellschaftlichen und gesetzlichen Forderungen zu Recyclingquoten auf der anderen Seite. Fraunhofer CCPE liefert mit einer großen Expertise im Bereich der Kreislaufwirtschaft die Möglichkeit, für einen bestimmten Abfallstrom unterschiedliche Recyclingverfahren zu vergleichen, zu bewerten und auch zu implementieren. Dadurch ist es den Unternehmen möglich, für ihre anfallenden Abfälle eine ideale Verwertungsstrategie zu identifizieren, die gleichzeitig auch den gesellschaftlichen und politischen Forderungen gerecht wird.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Mein Arbeitsalltag besteht aus einer vielseitigen Mischung von Tätigkeiten im Büro und im Labor. Das umfasst die Recherche von bestehenden Verfahren und Rahmenbedingungen, die Entwicklung von neuen Ideen am Schreibtisch, teilweise gestützt durch numerische Simulationen, die Übertragung dieser Ideen in den Laborprozess inklusive einer umfassenden Analyse der Ergebnisse bis hin zu einer Skalierung und Bewertung der entwickelten Verfahren im Technikumsmaßstab. Die Vielseitigkeit der Aufgaben ist zum einen herausfordernd, macht mir auf der anderen Seite aber auch viel Spaß und lässt meinen Arbeitsalltag selten langweilig werden.

Weitere Informationen

 

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Solvolyse

 

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